BNE: mehr als ein „Add-on“ Zukunftsbildung: Wie gelingt Schule, die zu gesellschaftlicher Mitgestaltung motiviert? Es klafft eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Dabei geht es um nichts weniger als die Frage, welche Bildung junge Menschen dazu befähigt, die großen gesellschaftlichen The- men ihrer Zeit mitgestalten zu können. Wie kann es gelingen, dass die Mitgestaltung einer nachhaltigeren Zukunft mehr ist als nur ein Thema für Projekttage? © istockphoto.com, FatCamera G ute Bildung greift Themen auf, die die Ler nenden in ihrem Alltag und in ihren Ge danken an die Zukunft beschäftigen – dies ist bereits seit den Klassikern moderner, eman zipatorischer Bildung wie Kant (1803) oder Schleiermacher (1983) bekannt. Es bringt vie le Vorteile mit sich, bei Themen und Metho den des Unterrichts und bei der Gestaltung der Schule auf die Erlebenswelt der Lernen den von heute und morgen einzugehen: Das Was und Wie des Lernens wird als relevan ter und sinnvoller erlebt und damit intrinsisch motivierter gelernt. Vor diesem Hintergrund lautet die entscheidende Frage: Was kenn zeichnet die Lebenswelt der Lernenden? Wird auf Jugendstudien geschaut, so zählen hier zu neben Fragen der individuellen Zukunfts gestaltung die Sorge vor dem Klimawandel und seinen Folgen, der Wunsch nach dem Erhalt einer intakten Umwelt und nach sozi aler Sicherheit sowie, spätestens seit 2022, Fragen von Krieg und Frieden (Albert et al. 2024, Calmbach et al. 2024). Die genannten größeren gesellschaftlichen Themen – auch als Polyk risen bezeichnet – sind im Kern Fra gen der Nachhaltigkeit. Lernende in die Lage zu versetzen, die aktu ellen sozialen, ökologischen und wirtschaftli chen Herausforderungen in ihrer Verbindung zueinander zu beleuchten und zu ihrer Lösung beitragen zu können, ist somit Gegenstand ei ner an den Lebenswelten junger Menschen ausgerichteten Bildung. Diesen Anspruch an gute Bildung formuliert auch der Ansatz einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), die auf diese Weise, so beschreibt es die Kultusm inisterkonferenz (2024, S. 2), „Chan cen einer Neuausrichtung schulischen Ler nens“ mit sich bringt und eine „Aufgabe der gesamten Schulgemeinschaft“ ist (ebd., S. 8). Im Folgenden skizzieren wir, was eine solche Studien belegen, dass Schüler:innen Nachhaltigkeit für wichtig halten, sie aber nur wenig Hoffnung haben, dass soziale und ökologische Krisen mit der nötigen Dringlichkeit angegangen werden. Zukunftsbildung als zeitgemäße Allgemein bildung kennzeichnet, wie der aktuelle und von Schüler:innen, Lehrkräften und Leitungen gewünschte Stand in Deutschland aussieht und wie sich Nachhaltigkeit auf Schulentwick lung und Unterrichtsgestaltung auswirken könnte. Schließlich stellen wir anhand ver schiedener Ausgangssituationen in Schulen Reflexionsfragen für die Bildungspraxis vor. Selbstwirksam mitgestalten Nachhaltigkeitsbezogene, zukunftsgerichtete Bildung geht weit über einzelne Facht hemen hinaus. Sie zielt auf ein Verstehen von kom plexen Zusammenhängen und die Fähigkeit, die Gemeinschaften und die Strukturen und Abläufe, in denen wir leben, mitgestalten zu können. Ebendies scheint oft eine Heraus forderung: Inmitten komplexer Problemla gen kann schnell der Eindruck entstehen, zu den größeren Zukunftsfragen keinen Beitrag leisten zu können (Grund & Brock 2019), was wiederum mit einem wenig hoffnungsvollen Blick auf die Zukunft und Resignation verbun den sein kann. Hier liegt ein wichtiges Ziel gu ter Zukunftsbildung: Die Ermöglichung von Selbstwirksamkeitserfahrungen – dem Erle ben also, dass das eigene und gemeinschaftli che, auch demokratische Handeln tatsächlich einen Unterschied machen kann. Das Lernen entlang von Zukunftsfragen be fasst sich somit nicht lediglich mit Nach haltigkeit als Inhalt, sondern steht in enger Verbindung mit dem Erlernen und Erleben 26 bildung SPEZIAL 1 | 2025
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