digitalisierung Doch letztendlich gilt für den Einsatz digitaler Medien und IT im Bildungssektor das Gleiche wie überall sonst auch: Technik ist nicht per se gut oder schlecht, es kommt auf die An- wendung bzw. die Anwender:innen an. Die will die Politik unterstützen, um der Chan- cenungleichheit in der Bildung entgegenzu- wirken. Zu einigen dieser Maßnahmen hat das ifo-Institut ebenfalls die Menschen be- fragt. Laut der Umfrage halten 69 Prozent zum Beispiel das sogenannte „Chancen budget“ für eine gute Idee. Damit sollen Schu- len mit vergleichsweise vielen Schüler:innen aus schwierigen sozioökonomischen Ver- hältnissen in die Lage versetzt werden, inno- vative Projekte für mehr Chancengleichheit zu finanzieren. Knapp zwei Drittel der Deut- schen sprechen sich auch für die Nutzung von Sozialindizes aus, die von einigen Bundes- ländern angewendet werden. Mithilfe eines Sozialindex lässt sich ermitteln, inwiefern ei- ne Schule aufgrund des sozioökonomischen Umfelds ihrer Schüler:innen vor besonderen Herausforderungen steht. Im Vergleich zur vorherigen Befragung aus dem Jahr 2016 ist insbesondere die Unter- stützung für Gehaltszuschläge gestiegen, die Lehrer:innen an Schulen erhalten sollen, die wegen der Vielzahl an Schüler:innen aus schwierigen Verhältnissen Probleme haben, Lehrkräfte für sich zu gewinnen. Während das Meinungsbild 2016 eher geteilt war, 43 Pro- zent der Deutschen befürworteten Gehalts- zuschläge und 39 Prozent waren dagegen, sprechen sich heute mehr als die Hälfte der Deutschen (55 Prozent) dafür aus, solchen Lehrkräften das Gehalt aufzubessern, die vie- le Schüler:innen aus schwierigen Verhältnis- sen unterrichten. Mehrheit der Deutschen will Bildungsausgaben erhöhen Wenn es jedoch um die Finanzierung solcher Schulen geht, die aufgrund des sozioökono- mischen Umfelds ihrer Schüler:innen vor besonderen Herausforderungen stehen, spre- chen sich die Deutschen eher dafür aus, alle Schulen gleichmäßig zu unterstützen. Laut ifo-Umfrage sind 60 Prozent dafür, zusätz- liche staatliche Ausgaben auf alle Schulen zu verteilen. Nur 40 Prozent sind der Mei- nung, man müsse mit zusätzlichen Ausga- ben ganz gezielt Schulen unterstützen, auf die viele Schüler:innen aus schwierigen Ver- hältnissen gehen. Die Wissenschaftler:innen deuten dieses Ergebnis als Beleg dafür, dass sich die Deutschen grundsätzlich höhere Aus- gaben für die Bildung wünschen, von denen alle Schüler:innen profitieren sollen. Wenn die Warnungen aus den Reihen der Wis- senschaft und Forschung vor einer fehlge- leiteten Digitalisierung in der Bildung dazu führen, das Bildungsniveau in Deutschland zu erhöhen, könnten die Ergebnisse zukünftiger Befragungen wieder ein positiveres Bild auf die Digitalisierung im Bildungssektor werfen. Marc Hankmann Anzeige bildung SPEZIAL 1| 2024 11
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