Kompetenzförderung 2. 1 Stumme Videos nachvertonen Eine Methode, die vor allem die Kommunikation und viele weitere prozessbezogene Kompetenzen fördert, ist das Üben durch die Nachvertonung eines stummen Videos [1]. Vor dem Unterricht nimmt der Lehrer z. B. eine Erklärung oder ein Messverfahren als Film auf und löscht die Tonspur. Das fertige stumme Video wird den Schülerinnen und Schülern über die Schul-Cloud zur Verfügung gestellt. Zur Nachvertonung müssen die Lernenden zunächst in Partnerarbeit ein Redemanuskript handschriftlich verfassen. Im Anschluss wird der Text z. B. innerhalb der App iMovie im Team passend zum Video eingesprochen (Abb. 3). Falls die Textlänge zeitlich nicht passend ist, kann die Geschwindigkeit des stummen Filmes an das Redemanuskript beliebig angepasst werden. Stumme Videos dienen vor allem zur Übung der Unterscheidung von Alltags- und Fachsprache. Zur Förderung der Bewertungskompetenz können die fertigen Videos mit Methoden der Fremd- und Selbstbewertung durch die Lernenden gegenseitig beurteilt werden. Ein Beispiel aus dem Physikunterricht des Autors ist die Nachvertonung eines Videos zur Bestimmung der elektrischen Leistung P (https://youtu.be/2lcIH7eAEGI). Sehr leistungsfähige Schülerinnen und Schüler können das Video über die Plattform h5p um interaktive Elemente erweitern (Beispiel: http://bit.ly/2M9n7XW). Abb. 2: Vier Kompetenzen für die Bildung im 21. Jahrhundert (CC BY SA). 2.2 Apps zur Förderung des Verständnisses Eine andere Methode zur Förderung von Kompetenzen mit digitalen Medien sind „Apps for understanding“. Dabei handelt es sich um digitale Werkzeuge, die auf das Verständnis sowie die kognitive Aktivierung setzen und dadurch dynamisches Lernen ermöglichen [2]. Ein Beispiel für den Mathematikunterricht ist die webbasierte „W-Baum-App“ (http://bit.ly/2LvwyAm) von Timo Leuders. Schülerinnen und Schüler können innerhalb der Anwendung mehrstufige Zufallsexperimente durch Wahrscheinlichkeitsbäume visualisieren, diese beliebig miteinander kombinieren und dadurch völlig neue Situationen konstruieren (Abb. 4). In Abhängigkeit von der Aufgabenstellung ist es möglich, Häufigkeiten, totale Wahrscheinlichkeiten und Erwartungswerte einzublenden. Als zusätzliche Lernhilfe ist Abb. 3: Schüler beim Nachvertonen eines stummen Videos zur Bestimmung der Leistung P Abb.4: App zur kognitiven Aktivierung in der Wahrscheinlichkeitsrechnung bildung+ schule digital 1| 2020 19
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