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Schule + natur Ganzheitliche Bildung in Wald, Park und Wiese Über das Potenzial vom Draußenlernen Was hat Entdeckerfreude mit dem Lehrplan zu tun? Wie fördert Kreativität die Gesundheit? Warum führt Bewegung an der frischen Luft zu Lernerfolgserlebnissen? Welche Einstellung ist für ein gelungenes Lernen in und mit der Natur nötig? Finden Sie es mit uns zusammen hier heraus! © stock.adobe.com, Jenny Sturm In der Natur die Jahreszeiten entdecken und genießen I n jungen Jahren reichlich Naturerfahrungen sammeln zu dürfen, fördert Kinder ganz- heitlich. Dies bestätigen diverse Studien (vgl. Raith/Lude 2014). Der Wunsch nach spieler ischer Auseinandersetzung mit der Natur ist uns Menschen grundsätzlich angeboren. Dem entgegen steht jedoch der Trend zur Natur entfremdung aufgrund sich wandelnder Le- bensumstände und -wirklichkeiten. Doch auch Schule bietet Gelegenheit, regelmäßige Be- gegnungen mit der Natur zu ermöglichen und somit zur Identifikation als Teil von ihr beizu- tragen. Im Rahmen einer Bildung für nachhal- tige Entwicklung (BNE) ist dieser Lernprozess unumgänglich. Faszination gefolgt von Wohlbefinden Naturphänomene wahrnehmen, sich darüber wundern, einer Beobachtung auf den Grund gehen wollen: Faszination ist der wichtigste Antrieb, warum wir uns näher mit etwas be- schäftigen wollen. Tun wir es schon als Kind und fühlen wir uns dabei besonders gut, ist der Weg frei für intrinsisch motiviertes Ler- nen. Als Lernbegleitende können wir diese Chance aufgreifen und so neben der kogni- tiven Entwicklung auch die körperliche und soziale Entwicklung fördern. Wer beim ge- meinsamen Erkunden, Beobachten und For- schen die eigene Begeisterung mit anderen 4 bildung+ lernen | 2024
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aus der Gruppe teilen kann, schult im sozi- alen Austausch nicht nur die Kommunika- tionsfähigkeit, sondern trainiert auch das Selbstbewusstsein und steigert durch posi- tive Rückmeldung das Wohlbefinden als Vo- raussetzung für erfolgreiches Lernen. Natur als Motor für Kreativität Ganz nebenbei trainieren sie ihre motorischen Fähigkeiten ebenso wie ihre Aufmerksamkeit und ihr Konzentrationsvermögen. Im gemein- samen Tun können die Kinder beim Draußen- lernen ihre Selbstwirksamkeit direkt erleben. Ihr somit authentisch erworbenes Umweltwis- sen bildet die Grundlage für ein wachsendes Umweltbewusstsein und lässt sie möglicher- weise einfühlsamer entscheiden und agieren. In und mit der Natur ist endloses Lernen mög- lich. Jede und jeder kann eigene Zugänge fin- den und wahrgenommene Erscheinungen oder Vorgänge zu interpretieren versuchen. Beim Eintauchen in die Natur fällt es Kindern viel leichter, andere Perspektiven einzuneh- men, Fragen zu formulieren und Lösungs- ansätze zu finden. Beim gemeinsamen Dis- kutieren, Aushandeln und Neukreieren können sie ihre Kooperationsfähigkeit kontinuierlich herausbilden und ihrer Schaffenskraft frei- en Lauf lassen. Exploratives Lernen Vielfältige und sinnstiftende Naturbegegnun- gen außerhalb der Schulmauern können wir als Lernbegleitende spannend und dabei fä- cherübergreifend gestalten: Forschendes Ler- nen mittels Miniabenteuern oder Forschungs- aufträgen in Kleingruppen bieten Kindern die Gelegenheit, ihre Umwelt selbstständig zu ent- decken und dennoch ihren Voraussetzungen entsprechend in und mit der Natur zu agieren. i Mit den Naturpark-Detektiven lernen Das speziell für Grund- schulkinder konzipier- te Online-Bildungsan- gebot des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord (www.naturpark-detektive.de) stellt zahl- reiche kreative Anregungen und ausgear- beitete Materialien kostenlos zur Verfü- gung. Jahreszeitlich passende Themen rund um die vielseitige Natur- und Kultur- landschaft können damit auch im Unter- richt – abwechslungsreich und spielerisch gestaltet –gemeinsam mit den Kindern er- forscht werden. Die Projektideen sind lehr- planrelevant und eignen sich für fächer- übergreifendes Lernen. Grundlage für Erfolgserlebnisse Draußenlernen kann als eine Mischung aus Abstand vom Alltag, sozialem Austausch, fachlichem Inhalt und abenteuerlicher Her- ausforderung gesehen werden. Eine wichti- ge Voraussetzung ist das Vorhandensein von Begeisterung. Sie ist gekennzeichnet durch leidenschaftliches Interesse und steckt bes- tenfalls an. In der Folge hat sie das Poten- zial, Kinder zu persönlicher Anstrengung, Tatendrang und Leistung zu motivieren. Mit Überzeugung tun wir nur, was uns sinnvoll erscheint und dabei noch Spaß oder Freu- de bereitet. Hinterfragen wir unsere eige- ne Einstellung und Naturverbundenheit – wie ansteckend können wir selbst auf dem Gebiet sein? Wo brauchen wir vielleicht Un- terstützung? Lehrplanrelevante Themen in der Kulturlandschaft entdecken Gewässer, Wiese, Hecke und Wald – unse- re Kulturlandschaft hält oft für viele Sach- themen die entsprechenden Lernorte bereit. In der Stadt bieten Parks, Ausgleichsflächen, naturnah gestaltete Spielplätze oder auch Brachflächen Gelegenheit zum Draußenler- nen. Selbst der alltägliche Schulweg kann unter Umständen mit einbezogen werden. Rahmengeschichte als Brücke ins Unbekannte Um den Naturerfahrungen eventuell gesell- schaftlich bedingte Hemmnisse, wie Be- fremdung, Angst oder gar Ekel, vorwegzu- nehmen und gegebenenfalls einen Fokus zu setzen, eignet sich ein narrativer Modus als Einstieg. Dies können kleine Geschichten aus der Sicht von beispielsweise Waldbewohnern sein, aber auch persönliche Nachrichten von fiktiven Personen aus der Region oder Ge- bildung+ lernen | 2024 Anzeige Werden Sie mit Ihren Schüler:innen aktiv: Natur entdecken, verstehen und schützen! In Schulen sind Themen wie Artensterben und Klima- krise heute in allen Klassen- zimmern präsent. Finden Sie mit Ihren Schüler:innen Wege, konstruktiv damit umzugehen und gemeinsam aktiv zu werden. Ob Cleanup Day, Spendenlauf oder Projektwoche – der WWF unterstützt Sie mit Ideen und passenden Unterrichts- und Aktionsmaterialien. undJSecthztuliankfotiromniestreanrten: wwf.de/schulaktion 5